Neue Runde im Kampf um die Shooter-Krone
Electronic Arts rührt für Battlefield 3 aus dem Hause DICE dieser Tage ganz gewaltig die Werbetrommel, selbst die Konkurrenz zeigte sich von der neuen Frostbite 2 Engine beeindruckt. Gleichzeitig entwickelt Danger Close bereits ebenfalls für EA das neue Medal of Honor. MoH wurde ja im letzten Jahr von der Presse und den Spielern, obwohl der Multiplayerpart sogar von den bewährten Battlefield-Machern stammte, arg verrissen. EAs Versuch, Activision-Blizzard mit MoH als Antwort auf das extrem erfolgreiche Modern Warfare 2 die “Shooter-Krone” abzujagen war gescheitert. Dass sich MoH trotzdem recht passabel verkauft hat, bleibt eine Randnotiz. Stattdessen hat Activision-Blizzard mit Call of Duty - Black Ops gehörig nachgelegt, Presse und Spieler begeistert, im Vorbeigehen alle Kassenrekorde gesprengt und den Erzrivalen Electronic Arts daneben ziemlich alt aussehen lassen.
Wie haben Spieler und Shooter-Experten den Wettstreit der zwei großen Verlags-Dickschiffe EA und AB erlebt? Wer hatte in der Vergangenheit die Nase vorn? Playsyndicate.de hat nachgefragt! Jens Veith hat viele Shooter gespielt und sagt: “Bisher waren die Traditionsmarken Battlefield und Call of Duty parallel so erfolgreich, dass sie sich nicht gegenseitig auf den Füßen standen.” Er verweist auf die charakteristischen Stärken der jeweiligen Marken: “Battlefield bietet große Karten, eine Menge Fahrzeuge und schickt genug Spieler an die Front um ein “Schlachtengefühl” zu erzeugen. Call of Duty bietet entgegen der Battlefield-Tradition seit jeher eine starke Singleplayer-Kampagne gepaart mit schneller Multiplayeraction auf kleinen Infanterie-Karten.”
Eine Kampfansage an den Rivalen Activision-Blizzard
Bisher waren die Grenzen der Titel fest abgesteckt und beide Serien verkauften sich in ihrer jeweiligen Zielgruppe wie geschnitten Brot, sagt Veith. Mittlerweile sei der Markt aber gesättigt, so dass die Publisher nun versuchen würden mit “Eierlegenden Wollmilchsäuen” den Wettbewerbern deren Anteile streitig zu machen. Die ersten Videos zu Battlefield 3 zeigen aktuell ausschließlich Einblicke in die Singleplayerkampagne des Titels. Veith sieht darin eine Kampfansage an den Rivalen Activision-Blizzard und andere Genrevertreter. Shooter-Experte Norman Scheer vom Clan Germany sagt: “Seit Call of Duty: Modern Warfare hat sich bei Activision-Blizzard nichts geändert. Die Grafik ist stets die selbe, blos die Story ist eine andere.” Und das Ärgert ihn als alten Spielehasen doch sehr, wenn er, wie er sagt, miterlebt was aus der Call of Duty-Reihe gemacht wurde.
Dabei beklagt Scheer vor allem die dünnen Storys, mit denen einige CoD-Titel ausgeliefert worden seien, nimmt das aktuelle Black Ops von dieser Kritik jedoch aus. Er findet es auffällig, dass sich Battlefield seit Teil 2 technisch stark weiterentwickelt habe während Call of Duty in dieser Hinsicht stagniere. Scheer nennt den Sprung von 40 auf 4000 Polygone, mit denen mittlerweile in Battlefield Häuser modelliert werden, als Beispiel für die Verbesserung. Conny Biesinger moderiert bei Gamersglobal und hat sowohl Call of Duty als auch Battlefield Bad Company gespielt. In puncto Unterhaltung und Spielspaß liegt bei ihr die Battlefield-Reihe vorn. Sie sagt: “Ich für mich ziehe das Teamwork dem Egomanen-Trip von CoD/MW vor!” Sie schätzt vor allem den Multiplayerpart von Battlefield BC2. Die Kampagne von Medal of Honor war ihr hingegen mit etwa fünf Stunden Spielzeit viel zu kurz.
Ziel: Jedes Jahr kommt ein neues Produkt in den Handel
Sowohl Activision-Blizzard als auch Electronic Arts sind dazu übergegangen, mehrere Studios parallel an den Marken arbeiten zu lassen. Das Resultat: Jedes Jahr liegt ein potentieller neuer Top-Titel des etablierten Franchise in der Pipeline. Im Fall von Activision-Blizzard bedeutet das, dass Infinity Ward, Hammerhead, Raven und Treyarch zwar ihre jeweils etwa drei bis vier Jahre Entwicklungszeit pro Spiel haben, dass aber der Jahrestakt der wechselnden Call of Duty- bzw. Modern Warfare-Veröffentlichungen eingehalten werden kann. Zumindest theoretisch. Ende 2011 bzw. anfang 2012 stehen beispielsweise Veröffentlichungen neuer MW/CoD-Titel sowohl von Sledgehammer als auch von Infinity Ward ins Haus. Dieses Modell will EA jetzt auch auf seine Marken Battlefield und Medal of Honor anwenden.
Norman Scheer meint: “Ich sehe es eher etwas kritisch, jedes Jahr eine neues Spiel zu Releasen und lediglich die Story etwas zu ändern und kleinere neue Features einzubauen.” Jens Veith sagt: “In näherer Zukunft erwarte ich, dass sich die Call of Duty-Reihe weiter vom Militärsektor zurückzieht und die Battlefield-Reihe sich dort als neuer Platzhirsch etabliert. Von den COD-Entwicklern wie Treyarch oder Sledgehammer erwarte ich einen neuen Fokus auf Terrorismus, Drogenkrieg und Polizeieinsätze.”
Wer entscheidet den Kampf um die Shooterkrone für sich?
Alle Befragten hegen übereinstimmend große Erwartungen an Battlefield 3. Zu den zukünftigen Aussichten in diesem Wettbewerb der großen Publisher sagt Jens Veith: “Auf Grund des hart umkämpften Marktes und den rückläufigen Absatzzahlen werden die Spieleentwickler näher zusammenrücken müssen. Zwar hofft jeder Entwickler mit seinem Produkt den kompletten Markt sättigen zu können, die Vergangenheit hat jedoch gezeigt das man sich ganz schnell wieder auf “alte Stärken beruft”, wenn die Zahlen nicht stimmen. Wer sein Stück vom Kuchen möchte muss sich also weiterhin spezialisieren.” Conny Biesinger sagt dazu: “Ich befürchte, daß Activision-Blizzard die CoD/MW-Reihe komplett in den Sand fährt und es dem Franchise so ergehen wird, wie Guitar Hero – irgendwann hat man von dem Einheitsbrei genug.” Norman Scheer hält es sogar für gut möglich, dass Electronic Arts mit Battlefield 3 kurzzeitig die Shooterkrone im Bereich der Militärshooter erringen kann. Ob dieser Erfolg aber von Dauer sein kann, erscheint ihm wegen der traditionell sehr starken Call of Duty Fanszene allerdings fraglich. Playsyndicate.de dankt allen Gesprächspartnern für die ausführlichen Stellungnahmen.
Da der “Kampf um die Shooterkrone” aber nicht nur allein auf dem Schlachtfeld des Militärshooter-Genres geführt wird, müssen auch Crysis 2, Dead Space oder Bulletstorm betrachtet werden. Die fallen eher in die Survival-Horror oder Science-Fiction Rubrik, dennoch sind sie technisch vor allem Shooter und sollen Activision-Blizzard zusätzlich unter Druck setzen. Ob Electronic Arts im Jahr 2011 den Rivalen in die Zange nimmt und mit einem schieren Überangebot an voraussichtlich durchweg hochwertigen Shootern den Konkurrenten an der Kasse zur Hungerkur zwingt, oder ob die Attacken an Activision-Blizzard erneut, wie schon im Vorjahr, wirkungslos abprallen? Das wird sich zeigen, wenn Bulletstorm, Crysis 2 und Battlefield 3 sich dem direkten Vergleich mit den kommenden Call of Duty oder Modern Warfare stellen. Die diesjährigen Publikumsmessen wie die E3 und die Gamescom werden für diesen spannenden Kampf die Bühne bieten.
-Thorsten Albrecht







Hey das ist gut…!!! Ich bin total überrascht wie wenig Medal of Honor ein echte DURCHBRUCH gelungen ist… Vor allem hat ja wohl JEDER von verflixte Taliban ein Exemplar mit EXPRESSlieferung beauftragt um in Genuss von MultiPLAYER mit opposing forces zu kommen… Kapier ich echt NICHT, Baby…!!!
Doch HALT…!!! JA, Ich erkenne jetzt das PROBLEM… In der Wüste in MIDDLE EAST gibt es überhaupt nicht genug von Elektrische Strom…!!!
So danke für die Erkenntnisförderung.
Das Releasedatum von Battlefield 3 wird mittlerweile mit November 2011 angegeben. Voraussichtlich kommt ohne LAN-Unterstützung. Bin ja gespannt, wie sich Battlefield 3 dann am Markt gegen die neuesten CoD- und MW-Streiche behauptet.
Jepp. Schöner Artikel, freut mich, dass wieder so viele Leute mitgemacht haben. Ist auch nicht irgendwie tendenziös geworden, das finde ich schon wichtig. Auch wenn mich das Militärshooter-Segment an sich eher mäßig interessiert…
@Greengrass http://www.youtube.com/watch?v=RP1IQqX3mxs kennst Du den? XD
Im Artikel wird das Sci-Fi-Shooter Triumvirat Bulletstorm, Crysis 2 und Dead Space 3 ja schon genannt. Und wenn Syndicate noch dazukommt, dann steht ja eigentlich eine echte Viererstaffel in den Startlöchern um Activision-Blizzard die Hölle heiß zu machen.
Was hat AB eigentlich im Sci-Fi-Genre (außer Starcraft) anzubieten? Mir fällt spontan grad garnichts ein…
@ Renton Council
DOOM, FEAR, QUAKE, ENEMY TERRITORY, TIMESHIFT, STAR WARS:FORCE UNLEASHED, TRANSFORMERS,
Alles Scifi
@jns Stimmt, voll übersehen.